Wenn aus Tageszeitungen hochwertiger Dämmstoff wird

Die besondere Art, Papier aufzubereiten: Am Standort Feistritz an der Drau in Kärnten stellt die Peter Seppele Gesellschaft m.b.H. das Premiumprodukt Thermofloc her. Als ideal bewährt im Qualitätsprozess hat sich der Micromat 2000 Einwellenzerkleinerer von Lindner-Recyclingtech. Die stationäre Maschine zerkleinert pro Stunde vier bis sechs Tonnen sortenreine Tageszeitungen auf eine Korngröße kleiner 60 Millimeter.

Das Unternehmen Seppele zählt zu den ältesten Kunden von Lindner in Österreich. Und tatsächlich reicht die Geschäftsbeziehung, die über die Nachbarschaft beider Firmen-Produktionswerke in Feistritz an der Drau ihren Anfang nahm, bis in das Jahr 1993 zurück.

Damals, erzählt Geschäftsführer Ing. Mag. Peter Seppele im Gespräch, kaufte Seppele den ersten großen, von Lindner gebauten Shredder. Heute setzt der Familienbetrieb in vierter Generation – drei Standorte in Kärnten, circa 195 Mitarbeiter, rund 38 Millionen Euro Jahresumsatz – drei Lindner-Shredder, darunter seit 2010 im Bereich der Thermofloc-Herstellung einen Micromat 2000 Einwellenzerkleinerer  ein. Die bewährte Maschine von Lindner-Recyclingtech in stationärer Ausführung erweist sich auch im Aufbereitungsprozess sortenreiner Tageszeitungen zu hochwertigen Zellulose-Dämmstoffen als ideale Zerkleinerungslösung.

„Es geht uns um Ressourcenschonung“

Als Transportunternehmen 1929 gegründet, ist die Peter Seppele Gesellschaft m.b.H. seit 1971 in der Abfallwirtschaft tätig und hat hier zu neuem Denken beigetragen. So ist Peter Seppeles Vater mit selben Vornamen, der bis vor neun Jahren die Geschäfte führte und dem Unternehmen insgesamt 40 Jahre lang vorstand, in der österreichischen Entsorgungsbranche als Umweltpionier hoch angesehen. „Es geht uns um Ressourcenschonung“, beschreibt Peter Seppele in diesem Zusammenhang die Firmenphilosophie. „Das treibt uns täglich an: Wir vermeiden Abfälle und fangen so früh wie möglich die Nebenprodukte im Produktionsprozess unserer Kunden ab, um etwas Sinnvolles daraus zu machen.“ 1996 ging unter der Produktbezeichnung Thermofloc die Herstellung und Vermarktung von Zellulose-Einblasdämmstoffen aus geschredderten Tageszeitungen an den Start. Und seit 1998 werden auch Papierpellets als Trittschalldämmstoff sowie Holzpellets als Heizmaterial produziert.

Von der Eingangskontrolle zum Endprodukt

Das Material für die Dämmstoffe wird sortenrein auf dem freien Markt gekauft und kommt in Lkws überwiegend aus Italien auf das Betriebsgelände. Nach den Erläuterungen von Thermofloc-Bereichsleiter Mag. Heimo Krainer zum Verarbeitungsprozess werden die Tageszeitungen nach der Eingangskontrolle zunächst zwischengelagert. Die Zeitungsballen werden mit Gabelstaplern aus dem Zwischenlager geholt, von den Seppele-Mitarbeitern aufgeschnitten, durchgesehen und dann über das Aufgabeband – ein Kettengurtförderer – dem Micromat zugeführt und auf eine Korngröße von 90% < 60 Millimeter zerkleinert. Anschließend gelangt das Material in Fasermühlen und wird im Trockenverfahren mit Zuschlagstoffen versetzt. Am Ende entsteht ein einblasbarer, loser Zellulose-Dämmstoff, der dann nur noch verkaufsfertig verpackt werden muss. Das übernehmen bei Seppele Roboter.

Thermofloc ist europaweit zugelassen und wird derzeit in 18 Ländern vertrieben. Laut Peter Seppele besitzt der organische Dämmstoff die gleichen Produkteigenschaften wie Glas- oder Mineralwolle und hat gegenüber diesen Materialien auch ökologische Vorteile. „Es ist ein natureplus-zertifiziertes Recyclingprodukt, das optimal Gebäude wärmedämmt und isoliert.“ Maschinell verarbeitet mittels Thermoblow-Technik, lässt sich eine Hohlraum- oder Spray-on-Dämmung ohne Verschnitt für Dächer, Böden, Wände realisieren.

Was den Anforderungen entspricht

Für den Qualitätsanspruch an das Premiumprodukt ist die Zerkleinerungsleistung des Micromat 2000 von Lindner vorentscheidend. Das sieht auch Heimo Krainer so. Warum sich Seppele für diese Maschine des Herstellers entschieden hat? „Weil sie unseren Anforderungen im Vergleich zu anderen Systemen am nächsten gekommen ist.“ Der Zerkleinerer läuft im durchgehenden Schichtbetrieb rund um die Uhr und in der Regel sieben Tage die Woche. Der Durchsatz liegt bei vier bis sechs Tonnen Tageszeitungen pro Stunde, und der Verschleiß bei den Messern und Gegenmessern hält sich den Angaben nach in sparsamen Grenzen. Bislang genügt dem Unternehmen auch die Standardkomponenten-Ausführung. Wie es zudem heißt, wurde bei den Messern ein Optimum von Härte und Elastizität gefunden.

Die hydraulische Wartungsklappe zur schnellen Störstoffentnahme und komfortablen Rotorzugang hat sich ebenso in der Praxis bewährt wie das schwenkbare Siebsystem zum einfachen Siebwechsel und der innenliegende Nachdrücker für erhöhtes Füllvolumen und zur Verhinderung unerwünschter Materialaustritte. Zu 80 Prozent können die Wartungsarbeiten vom Betrieb selber durchgeführt werden. Das Serviceteam von Lindner kommt eigentlich nur, wenn etwas auszutauschen ist. Und das ist bei Seppele eher selten der Fall.

Zum Energieverbrauch können Geschäftsführer Peter Seppele und Thermofloc-Bereichsleiter Heimo Krainer hingegen keine belastbaren Angaben machen, vertrauen jedoch auf ihre langjährige Kundenerfahrung: dass Lindner generell, in allen relevanten Punkten für den wirtschaftlichen Betrieb effiziente Maschinen baut und auch bei der Entwicklung innovativer Antriebskonzepte immer ein Vorreiter im Markt ist. Der Besuch des Unternehmens Seppele schließt mit Anekdoten über eine verirrte alte Autotür und geschredderte, ungültige Schilling-Banknoten, die nach der Euro-Währungsumstellung in Österreich im Werk zur stofflichen Verwertung anfielen. Aber das ist eine andere Geschichte…

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